hintertreibt der Schriftsteller, liberal wie er ist, nicht die Heirat und unterstützt das mittellose Paar großzügig.
Über die Gründe, die Lili in den Tod trieben, kann bestenfalls spekuliert werden: War es die überstürzte, nur kurze Zeit glückliche Ehe mit Arnoldo Cappellini? Die in der Familie Schnitzler grassierende Melancholie? Die Überforderung durch den Vater? Oder identifizierte sich Lili allzu sehr mit "Fräulein Else" aus der gleichnamigen Novelle, deren Lebensweg dem ihren erschreckend ähnelt?
Gabriele Weingartner spürt in ihrem Roman diesen und anderen Mutmaßungen nach und bedient sich dabei einer literarischen Methode, die Arthur Schnitzler erfunden hat: einer Art innerem Monolog, der durch eine kontinuierliche äußere Handlung aufgebrochen wird. Lili reflektiert, zwei Tage vor ihrem Selbstmord, ihre kurze Vergangenheit, holt ihre privilegierten Wiener Jahre zurück und lässt die berühmten Freunde und Bekannten ihrer Eltern Revue passieren. Venedig erlebt sie nur mehr als Kulisse, hinter die sie nicht mehr dringen kann.
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