Kischs Miniaturen über das Berlin der 1920er Jahre haben die Genauigkeit des
Blicks von außen: Wie sieht es aus in einer Stadt, die erst wenige Jahrzehnte
zuvor »Reichshauptstadt« wurde, nach einem verlorenen Krieg, der Flucht des
Kaisers, in einer ungewohnten Republik?
Und wie leben die Leute in dieser Riesenstadt, in die der Fortschritt verspätet
und mit geradezu brutaler Gewalt einbricht: mit dem Elektrizitätswerk
Rummelsburg, der Inflation, den Weltverbesserungsideen der Literaten im Café
Größenwahn, der Polizei und ihrer Beute, mit Glühbirne und Grammophon.
Aber der Reporter aus Prag vergisst auch nicht seine Landsleute in Rixdorf,
dem »Böhmischen Dorf«, er geht ebenso in die Schlachterläden wie zum Sechstagerennen,
in spiritistische Sitzungen und zu Heiratsvermittlungen – immer
mit Notizheft und offenen Ohren.
…
Weiterlesen...
