ZeynZeyn
Tess von den d’Urbervilles – das Theaterstück - von Hardy Thomas (2)
Drama
Zur ersten deutschen Theaterfassung: Diese erste deutsche Theaterfassung von Thomas Hardy’s Roman TESS OF THE D’URBERVILLES liegt als Buch vor, bevor die Uraufführung dieses Stückes überhaupt stattgefunden hat. Und das ist gut so. Denn das gedruckte Theaterstück kann auch als notwendige Korrektur des Theatereindruckes, der beim Theaterbesucher während und nach
Zur ersten deutschen Theaterfassung: Diese erste deutsche Theaterfassung von Thomas Hardy’s Roman TESS OF THE D’URBERVILLES liegt als Buch vor, bevor die Uraufführung dieses Stückes überhaupt stattgefunden hat. Und das ist gut so. Denn das gedruckte Theaterstück kann auch als notwendige Korrektur des Theatereindruckes, der beim Theaterbesucher während und nach der Aufführung entsteht, aufgefaßt werden. „Neue Theaterstücke kann man jetzt lesen - Der Anfang ist also gemacht. Die Resonanz beim kaufenden Leser wird erweisen, ob das augenblicklich spürbare Verlangen des Theaterbesuchers nach literarischer Substanz tragfähig ist“, schrieb Johannes Jacobi (Jacobi war 20 Jahre lang bis zu seinem Tod 1969 Theaterkritiker der Hamburger „ZEIT“) bereits 1956 in einem Beitrag in der Hamburger Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Das Lesen des Theaterstückes ermöglicht hiernach dem Theaterbesucher, die tragfähige Substanz eines Stückes zu beurteilen oder zumindest einzuschätzen, und die Lektüre des gedruckten Stückes läßt auch beurteilen, was der Regisseur daraus gemacht hat. Dramen werden nicht nur gelesen, weil die Theaterbesucher etwas zum Nachdenken mit nach Hause nehmen wollen, wenn sie das Theatergebäude nach der Aufführung verlassen. Dramen werden auch wieder mehr gelesen, weil der künftige Theaterbesucher vorher das Drama lesen will, vor dem Besuch des Theaters! Und der Vergleich zwischen dem im Buch Gelesenen und dem auf der Bühne Gesehenen wird auch zur Klärung der Frage beitragen, ob man weiterhin in dieses Theater gehen will, ob man weiterhin die Inszenierungen dieses Regisseurs ertragen will, oder ob man sein Abonnement beim Theater kündigen soll. Der Anfang ist also mit dem gedruckten Theatertext schon gemacht. Denn das Erscheinen eines neuen Theaterstückes als lesbares und leicht zu erwerbendes Produkt bedeutet zweierlei: Erstens können alle diejenigen, die aus bestimmten Gründen nicht ins Theater gehen wollen, das Theaterstück lesen und - jedenfalls, wenn es meisterhaft geschrieben worden ist, versteht sich - während des Lesens gleichsam „im Kopfkino“ die eigene Inszenierung dieses Bühnenstückes genießen, je nach Phantasie und Vorstellungsvermögen. DE GUSTIBUS NON EST DISPUTANDUM gilt auch fürs Kopfkino. Und wer dieses beherrscht, wird gerne auch ein Theaterstück lesen wollen, bevor er sich das Stück im Theater anschaut. DE GUSTIBUS NON EST DISPUTANDUM gilt auch für die Aufführungen eines Theaters. Werkgetreue Aufführung versus „Regietheater“ oder gar „Regisseurstheater“ sensu Gerhard Stadelmaier (langjähriger Theaterkritiker der Frankfurter Allgemeinen), das ist die Frage. Wer will zuschauen, wenn ohne Bezug zum Werk des Autors auf der Bühne Klosettschüsseln zerschlagen werden, wenn auf der Bühne uriniert und koitiert wird, unterschiedslos bei Shakespeare wie bei Schiller. „Action“ um jeden Preis?! Wer ein bereits gelesenes Stück als Aufführung sehen will, wird kaum willkürliche Zusätze durch den Regisseur, der selbst sich als Künstler über den Theaterautor erheben will, erdulden! Auch die Verlegung der Handlung an einen anderen Ort oder in eine andere Zeit kann dann Kopfschmerzen bereiten! Spätestens dann, wenn bei einer Aufführung unserer „TESS VON DEN D’URBERVILLES“ der Stenz Alec D’Urberville eine Harley-Davidson fährt, Tess ein Handy besitzt und nur deshalb von Alec schwanger geworden ist, weil sie die Einnahme der Antibabypille vergessen hatte, wissen wir, daß es sich um Regietheater handelt, das weit weg ist von Thomas Hardy, für manche vielleicht gerade noch erträglich ist, für manche hingegen eher ein Brechtmittel. Es ist abzusehen, wann in einer Regietheater-Aufführung Angel Clare in der gescheiterten Hochzeitnacht, als er sich weigert, die Ehe zu vollziehen, weil Tess nicht mehr jungfräulich ist und schon geboren hat, sich der frustrierte Ehemann, der im Alter von 26 Jahren nur eine einzige kurze sexuelle Begegnung hatte, auf der Bühne ersatzweise selbst befriedigt. Klassisch wären hingegen Aufführungen von Thomas Hardy’s TESS ohne willkürlich hinzugefügte Handlungen, die keinen Bezug zum Werk haben, in historischen Kostümen, und Tess sowie die anderen Milchmädchen und die Melker am Milchhof könnten wie im Roman auch auf der Bühne beim Essen geräuschvoll mampfen und schmatzen, und auch Dialekt reden - mal oberbayerisch, mal niederbayerisch, mal preußisch, berlinerisch, mal schwäbisch, mal fränkisch, mal sächsisch, pfälzisch oder plattdeutsch, auch eine der österreichischen Mundarten oder Schweizerdeutsch. DIE ERSTE DEUTSCHE THEATERFASSUNG Dies ist die erste deutsche Bühnenfassung (Romandramatisierung: Dr. phil. Hans Adobe) des vollständigen und ungekürzten Romans TESS OF THE D'URBERVILLES von Thomas Hardy in der von Barbara Scholz besorgten vollständigen und ungekürzten Übersetzung aus der englischen Erstausgabe von 1891 in die deutsche Sprache, ergänzend auch der von der englischen Erstausgabe abweichenden amerikanischen Romanfassung, erschienen in New York 1891. Die Beschreibung von Bühnenbild, Handlung und Personen sowie die Dialoge dieses Theaterstückes richten sich streng nach dem, was Thomas Hardy gesehen und in seinen 1891 in London und New York erschienenen Romanversionen von ‚TESS OF THE D’URBERVILLES‘ geschrieben hat. Die englischen und die amerikanischen Romanversionen unterscheiden sich in etlichen Einzelheiten, offenbar wegen der unterschiedlichen rechtlichen Problematik hinsichtlich Zensur und der Verbreitung unzüchtiger Schriften in beiden Staaten und Unterschieden in der Mentalität der jeweiligen Verlagsleitungen. Für dieses Theaterstück werden zwangsläufig die Dekorationsentwürfe bei verschiedenen Aufführungen je nach Größe und technischer Ausstattung der Bühnen recht verschieden aussehen, zum einen wegen der Vielzahl der Orte in diesem Stück und zum anderen deswegen, weil viele Szenen im Freien ablaufen und Bewegungsabläufe, wie sich schnell bewegende Fuhrwerke, Kutschen und Pferde, mehrmals den Rahmen für die Handlungen der Darsteller bilden. Das bedeutet jedoch nicht, daß dieses Stück nur mit aufwendiger Bühnenmaschinerie spielbar wäre. Ganz im Gegenteil kann auch bei kleineren Bühnen oder bei Fehlen aufwendiger Bühnentechnik ein minimalistisches Konzept den gleichen Zweck erfüllen, nämlich den Zuschauer über den Ort und den Zeitpunkt der Handlung im gesamten Handlungsablauf des Geschehens in Kenntnis zu setzen und den illusionären Eindruck des Spieles zu verstärken. Kutschen und Pferde, Gebäude, Landschaften und Menschen können auch einfach in einem Bühnenbild im Hintergrund dargestellt werden, wobei für die Gestaltung der Bühne im Vordergrund nur mehr wenige einfache Gegenstände erforderlich sind, wie z.B. Tisch, Stuhl und Bett, und die Darsteller einfach vor diesem Hintergrund agieren. Unter Verzicht auf jegliche Technik, bei minimalistischen Bühnenentwürfen oder fehlender Bühnenmaschinerie kann auch ein Sprecher die Beschreibung des Bühnenbildes vortragen oder die Beschreibung des Ortes kann auf einigen Kulissen mit wenigen Worten erfolgen, z.B. „Küchenstube eines Taglöhnerhäuschens“, „Kutsche mit einem Pferd“, „Wald, Straße zwischen Shaston und Marlott“, „Schankraum eines Wirtshauses in Marlott“. Für die Darstellung von Ereignissen, die entweder mangels aufwendiger Bühnenmaschinerie nicht möglich ist (z.B. sich schnell bewegende Kutschen) oder die dem Zuschauer nicht zugemutet werden kann, wie z.B. die Hinrichtung von Tess am Ende des Stückes, kann auch auf das Vorlesen von Tagebucheinträgen einer Figur, auf das Selbstgespräch, auf die Mauerschau oder auf den Botenbericht zurückgegriffen werden. Werkgetreue Inszenierungen dieses Stückes sind eher mit einem geringen Aufwand an Bühnenmaschinerie möglich als mit einem ungehemmten Einsatz aller Raffinessen heutiger Bühnenmaschinerie. Fachinformation für Theaterfreunde unter www.theatertexte.de!

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