PROLOGUS
Advolant decem sorores,
tantos fugitum dolores.
»Huc venite, gallus clamat,
nam Marburgum Musas amat.«
Zehn Musen kommen vom Helikon,
ertragen nicht mehr die Hellos-Fron.
Da kräht auch schon der Rathaushahn:
»Bleibt doch in Marburg an der Lahn!«
Von der Fähigkeit ihrer Urgroßmutter, Krankheiten zu ›bespre-
chen‹, ist der Verfasserin nur das Talent, Dinge dichterisch zu be-
nennen, vererbt worden, was in Zeiten einer Pandemie wenig aus-
richten kann, aber vielleicht doch – vergleichbar den homöopathi-
schen, rhythmisierten Globuli – durch rhythmische Verse in Kin-
dern und Erwachsenen Saiten der Seele zum Klingen bringen kann.
Und auch die historischen Erschütterungen, die durch die Pande-
mie ausgelöst werden, spürt man in den Versen wie leise Nachbe-
ben.
Der magische Charakter dieser Kinderreime wird durch die la-
teinische, für die Kinder unverständliche Sprache verstärkt: sie sol-
len sich den Kindern wie ›LirumlarumLöffelstiel‹ einprägen und
die Lust an sprachlichem Klang wecken. Und ›nebenbei‹ werden
ihnen die alten, griechischen, europäischen Kulturgüter so vertraut,
dass sie sich später an keine Zeit erinnern können, in der nicht
Klio, Melpomene und Terpsichore zu ihren Spielgefährtinnen ge-
hört haben.
…
Weiterlesen...
